Karang Lestari Projekt

Taucher in künstlichem Biorock Riff, Indonesien

Mit Hilfe des Biorock-Verfahrens werden in Indonesien zerstörte Riffe wieder aufgebaut. © SeraphP / Shutterstock

Das Karang Lestari Projekt ist unter den Tauchplätzen rund um das Fischerdorf Pemuteran in Westbali eine ganz besondere Attraktion. Hier entsteht nämlich ein riesiges künstliches Riff, dass das von Menschenhand zerstörte natürliche Riff ersetzen soll. Das Riff hat eine lange Leidensgeschichte hinter sich, die in Indonesien leider keine Seltenheit ist. Indonesien ist mit 17.502 Inseln die weltgrößte Inselnation, die Riffe haben geschätzt über 85.000 Quadratkilometer Ausdehnung, das sind 14% aller Korallen weltweit. Das Land hat zudem mit 450 Arten die meisten Korallenarten aufzuweisen. Allerdings sind nur noch etwa 6% dieser Riffe in einem gesunden Zustand.

Durch Praktiken wie das Fischen mit Dynamit und Cyanid, sowie Umweltverschmutzung, globale Erwärmung, steigende Trübung und unkontrolliertem Tourismus, auch das Tauchen spielt eine Rolle, wurden die meisten Korallenbänke stark in Mitleidenschaft gezogen. Das Dorf Pemuteran liegt im Schatten der Berge Balis und bekommt dadurch weniger Regen ab als die restlichen Gebiete Balis, somit sind die Bedingungen zu trocken für den Reisanbau. Die Bewohner leben also schon immer vom Meer, speziell vom Fischfang. Allerdings besitzt Pemuteran auch das größte Gebiet oberflächennaher Korallen auf ganz Bali. Diese sind leicht zu erreichen und die Strömungen sind überaus moderat. Somit kommen auch Tauchanfänger sehr gut mit den Tauchspots rund um Pemuteran zurecht.

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Aber obwohl es hier ein wahres Tauch- und Schnorchelparadies gibt, ist der Ort doch sehr weit von den Touristenzentren in Balis Süden entfernt und bekommt von den dort erzielten Einnahmen recht wenig ab. Der Fischfang spielt also immer noch eine große Rolle, trotz Tourismus. Dennoch begann man hier schon sehr früh, die Riffe zu schützen, denn man erkannte, dass ein Fisch deutlich mehr Gewinn bringt, wenn er von vielen Touristen bestaunt wird, als wenn man nur eine Mahlzeit aus ihm macht. Es wurden Schutzzonen angelegt und Praktiken wie das Dynamitfischen gänzlich verboten. Während der indonesischen Wirtschaftskrise um das Jahr 1998 wurde die Gegend aber von zahllosen Einwanderern, speziell von Java nahezu überrannt und die festgelegten Fangverbote gänzlich missachtet. Als man einige Jahre später wieder in der Lage war, die Schutzbestimmungen durchzusetzen, war es bereits zu spät und von einigen Korallenriffen waren nur noch Trümmer übrig.

Um die Zerstörungen wieder rückgängig zu machen, wurde mit Hilfe der GCRA das Pemuteran Coral Conservation Project, oder auch Karang Lestari Projekt geschaffen. Hotels, Tauchshops, lokale Fischer, Wissenschaftler und Naturschützer taten sich zusammen um die Korallenriffe zu schützen und wieder aufzubauen. Das Projekt startete im Juni 2000, als Dr. Thomas Goreau und Professor Wolf Hilbertz, zusammen mit Tauchern von Yos Dive Shop begannen, die erste Korallen-Zucht aufzubauen. Im Oktober 2002 wurde bereits ein internationaler Workshop über den Bau und die Konstruktion von solchen Korallenzuchten abgehalten und drei weitere Zuchtstationen installiert. Es folgten noch zahlreiche weitere. Das Projekt nutzt das Biorock Verfahren um das Wachstum der Korallen zu beschleunigen und damit auch das Wachstum der Fischpopulation. Korallenstücke werden dabei auf künstliche Strukturen aufgepflanzt, die darauf ausgelegt sind, möglichst viele Fische anzuziehen. Diese wiederum ziehen nicht nur Taucher und Schnorchler an sondern liefern auch den Fischern wieder eine Lebensgrundlage.

Weitere Schutzgebiete werden ständig aufgebaut, so dass das Projekt laufend wächst. Alle Maßnahmen werden in enger Zusammenarbeit mit den lokalen Fischern und Tourismusbetreibern umgesetzt, denn beide profitieren auch direkt davon. Beispielsweise kehrte der Ostpazifische Delfin (Stenella longirostris) in das Gebiet zurück, aus dem er durch das Dynamitfischen vertrieben wurde. Delfinfahrten mit Touristen bringen nun wieder zusätzliche Einnahmen. Mittlerweile interessieren sich auch andere Gegenden um Balis Küste für das Projekt, es werden Ausbildungen und Kurse angeboten und es existieren schon konkrete Planungen für weitere Riffprojekte. Das Ziel ist eine flächendeckende nachhaltige Fischwirtschaft und naturschonender Tourismus. Das Projekt von Pemuteran soll in die wichtigsten Fanggebiete nördlich des Dorfes ausgeweitet werden.
[info align=“right“]Weitere Infos:

Übersicht Tauchplätze Pemuteran
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Unsere Tauchreisen

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In der Udayana Universität auf Bali sind entsprechende Ausbildungsprogramme geplant, auf der Nusa Lembongan könnte ein Forschungslabor entstehen. Finanzielle Hilfe wird von diversen Verbänden und der Regierung erwartet. Es bleibt also spannend.