Gunung Rinjani

Der Gunung Rinjani auf Lombok

Der Gunung Rinjani auf Lombok mit seiner beeindruckenden Caldera und dem kleinen Gunung Baru Jari. Foto: © Thanwan Singh Pannu / Shutterstock

Die Insel Lombok wird dominiert vom 3726 Meter hohen Vulkan Gunung Rinjani, dem zweitgrößten Vulkan Indonesiens nach dem Kerinci (3805m) auf Sumatra. Der Rinjani gehört zu den Vulkanen des Sunda-Bogens, die mehrheitlich als hochexplosiv gelten. Ganz in der Nähe liegt beispielsweise der Tambora, der im Jahre 1815 mit einem VEI 7 (Vulkanexplosivitätsindex-Wert 7) ausbrach. Dieser Vorfall ging als stärkste vulkanische Eruption in historischer Zeit in die Geschichte ein, vermutlich hat sie das Weltklima maßgeblich beeinflusst.

Unter der steil aufragenden Spitze des Stratovulkans Rinjani liegt eine 6 x 8,5 Kilometer große Caldera, die teilweise vom Kratersee Segara Anak oder Anak Laut (Kind des Sees) gefüllt ist. Er ist wegen seines tiefblauen Wassers berühmt und lädt zum Baden ein. Der See liegt etwa 2000 Meter über dem Meeresspiegel und wird auf eine Tiefe von 230 Metern geschätzt. In der Caldera, die vermutlich im im Jahre 1257 bei einer große Eruption des Gunung Samalas, damals der Zwillingsgipfel des Rinjani, entstanden ist, liegen einige heiße Quellen, in denen man ebenfalls baden kann. Die große Eruption im Jahre 1257 hat möglicherweise eine Periode der globalen Abkühlung und weltweite Missernten verursacht.

[map lon=“116.400000″ lat=“-8.403333″ zoom=“10″ resize=“false“ files=“rinjani.csv“][/map]
Im See liegt ein Minivulkan, genannt Gunung Baru oder auch Barujari. Sein Kegel aus vulkanischer Schlacke wuchs zwischen 1994 und 1995 auf etwa 300 Meter. Er erwachte 2009 und 2010 zuletzt zum Leben, seitdem ist er immer mal wieder aktiv. Eigentlich war er für die Ausbrüche des Gunung Rinjani in den letzten 150 Jahren verantwortlich und nicht der Rinjani selbst, siehe weiter unten die Geschichte der Vulkanausbrüche am Rinjani.

[artikel-vorschau titel=“Rund um den Gunung Rinjani“]
[artikel id=“7362″]
[artikel id=“7395″]
[artikel id=“7399″]
[/artikel-vorschau][hr][info align=“right“]

Anreise zum Rinjani:

Eingänge zum Rinjani Nationalpark und damit zum Berg gibt es in Senaru, nördlich des Vulkans und Sembalun, östlich davon. Beide Orte sind von Maratam, Senggigi oder dem Flughafen aus mit dem Bemo, Taxi oder privatem Transport leicht zu erreichen. Führer für Wanderungen lassen sich vor Ort in den entsprechenden Büros buchen. Mehr zur Organisation und den Routen findet sich unter: Rinjani Nationalpark … >>

Koordinaten: Süd 8°24’36.00 Ost 116°27’31.00

[/info]
Sasak und Hinduisten aus den umliegenden etwa 20 Dörfern und dem Rest Indonesiens verehren den Vulkan und seine Caldera gleichermaßen als heilig, es finden regelmäßig Feierlichkeiten und Zeremonien statt und Pilger legen Opfergaben nieder. Der Aufstieg ist über mehrere Routen in mehrtägigen Touren möglich, wird aber je nach Aktivität immer mal wieder gesperrt. Die Verwaltung erfolgt durch das Management des 1997 gegründeten Nationalpark „Gunung Rinjani“. Die letzte Eruption des Rinjani war im Mai 2010 und die letzten bedeutenden Eruptionen fanden zwischen 1994 und 1995 statt.

Landschaft

Das Hochland Lomboks ist mit Wald bedeckt und wirtschaftlich kaum entwickelt. Die fruchtbaren Niederungen sind hingegen landwirtschaftlich genutzt, es wird neben Reis auch Soja, Kaffee, Tabak, Baumwolle, Zimt, Kakao, Nelken, Maniok, Getreide, Kokosnüsse, Bananen und Vanille angebaut. Die Umgebung des Rinjani und das Massiv selbst sind seit 1997 durch den Rinjani National Park geschützt. Weitere Informationen dazu unter: Rinjani National Park … >>

Die bekanntesten Routen zum Rinjani

Zum Gunung Rinjani, dem Gunung Baru Jari oder dem Kratersee Segara Anak führen einige mehr oder weniger bekannte Routen hinauf. Sie alle erfordern einen ortskundigen Führer, so dienen die folgenden Informationen nicht etwa als Wegweiser, sondern nur als Hilfe für die richtige Auswahl. Zudem kann sich vor Ort immer mal etwas ändern, die folgenden Angaben sind also ohne Gewähr und ohne Garantie auf Vollständigkeit. Details zu den Touren finden sich unter: Rinjani National Park … >>

1. Von Senaru aus

Die bekannteste Route zum Kratersee Segara Anak und zum Gipfel des Gunung Rinjani startet ist Senaru, nördlich des Rinjani am Rande des Nationalparks. In zwei Tagen ist der See erreichbar und mit drei Tagen Zeit auch der Gipfel.

Sembalun Lawang und Sembalun Bumbung liegen östlich des Rinjani und sind zwei reiche Ortschaften die in der Hochebene von Sembalun liegen. Von dort aus führt eine recht bekannte Route zum Kratersee und weiter zum Gipfel des Rinjani. Drei Tage sollten dafür eingeplant werden.

3. Die Torean Route

Die Torean Route ist ein sehr anspruchsvoller Weg zum Gipfel des Rinjani und zum Kratersee Segara Anak. Nur wenige Führer bieten sie überhaupt an und man benötigt gute Kondition um sie zu bewältigen. Dafür sind die Aussichten grandios und es sind nur wenige Menschen unterwegs.

4. Von Timbanuh aus

Von Süden her nähert sich die kaum bekannte Route die im Ort Timbanuh startet. Sie führt über den südlichen Kraterrand zum See. Von dort geht es per Boot auf die andere Seite und dann auf den Gipfel zum Rinjani.

5. Von Aik Berik (Aik Darek) aus

Das Dorf Aik Berik im Zentrum Lomboks liegt etwa 27 Kilometer östlich von Mataram. Von hier geht es in etwa 6 Stunden zum Kraterrand und danach per Boot über den See und weiter zum Gipfel.

Geologische Übersicht

Im Bereich der kleinen Sundainseln zu denen Lombok gehört, schiebt sich die Indo-Australische Platte unter die Eurasische Kontinentalplatte und wird dabei durch die enorme Reibung zum Teil geschmolzen. Das entstehende Magma tritt nach dieser Subduktionszone an die Oberfläche und bildet die Vulkane des Sunda-Bogens in dessen Zentrum unter Anderem der Rinjani liegt. Die ältesten zugänglichen Gesteinsschichten werden in das Miozän datiert, ein Zeitalter das etwa vor 23 Millionen Jahren begann und vor 5,3 Millionen Jahren endete. Das bedeutet, dass die Subduktion der Platten wesentlich später als auf Java und Sumatra einsetzte. Die Zone in der die Platten aufeinandertreffen wird auf eine Tiefe von 29 Kilometern geschätzt.

Aktivität des Rinjani

Die Abstände zwischen den Eruptionen, die Stellen, die Art der Ausbrüche und die Zusammensetzung der Magma haben sich in den letzten 10.000 Jahren vor dem großen Ausbruch laufend verändert und tun dies noch. Es gibt einen Beobachtungsposten für den Gunung Rinjani, den Gunung Baru Jari und die Caldera mit dem Segara Anak See im Ort Sembalun Lawang, etwa 12,5 Kilometer Nordöstlich des Vulkans.

Die bekannte Geschichte des Rinjani-Massivs beginnt bereits im 13. Jahrhundert. Damals existierte neben dem Gunung Rinjani noch sein Zwillingsgipfel, der Gunung Samalas. Dieser brach zwischen Mai und Oktober 1257 in einer gewaltigen Eruption der Stärke 7 aus, wodurch die heutige Caldera des Rinjani mit dem See darin entstand. Forscher gehen davon aus, dass dieser Ausbruch für das „Jahr ohne Sommer“ 1258 verantwortlich war. Damals sorgten Dauerregen und Kälte für Missernten in ganz Europa, wobei der Grund dafür zur damaligen Zeit natürlich noch unklar war. Belegt wurde dieser Zusammenhang erst durch die Analyse von Bohrkernen aus Grönland und der Antarktis. Man verglich das Material dieser Analysen mit Ablagerungen aus der Umgebung des Rinjani und konnte so den Zusammenhang beweisen. Historische Manuskripte der Chronik Babad Lombok Pamatan, die in damaliger Zeit noch auf Palmblättern niedergeschrieben wurde, zeigen, dass der Ausbruch die damalige Hauptstadt des Königreiches Lombok völlig zerstört hat. Forscher schätzen die Höhe der Rauchsäule auf 43 Kilometer und das Volumen des ausgeworfenen Materials auf unglaubliche 40 Kubikkilometer. Damit wird dieser Ausbruch zu einem der größten seit Beginn menschlicher Aufzeichnungen.

Wirklich exakte historisch belegbare Daten über die Aktivität des Rinjani gibt es allerdings erst seit 1847. Die Insel Lombok taucht in den noch erhaltenen Chroniken einfach zu selten auf um daraus belastbare Fakten ableiten zu können. Seit 1847 war vor allem der Kegel des kleinen Barujari inmitten des Kratersees Segara Anak aktiv. Wobei die Ausbrüche eher moderat waren und von gelegentlichen Lavaströmen begleitet wurden, die im See landeten und keinen Schaden anrichteten.

Im Dezember 1944 gab es einen Ausbruch des Gunung Barujari mit Lavaströmen und Auswürfen.
Zwischen dem 28. März und dem 8. August 1966 erwachte der Gunung Baru Jari erneut zum Leben. Er soll 6,6 Millionen Kubikmeter Lava und 20.000 Kubikmeter lockeres Material ausgeworfen haben.

Im Mai 1994 wurde am Kraterboden des Gunung Barujari ein Glühen entdeckt, obwohl der Minivulkan seit 1966 keine nennenswerten Aktivitäten mehr erkennen ließ. Man stellte sicherheitshalber Seismografen zur weiteren Überwachung auf. Zwischen dem 27. und dem 31. Mai wurden mehrere Erdbeben registriert. Ab dem 4. Juni steigerten sich die Erdbeben, es gab Aschewolken und es stieg vermutlich auch Magma auf. Am 8. Juni berichtete die Presse von glühender Lava, dickem Rauch und Ascheniederschläge in angrenzenden Orten. Die Wolken stiegen auf 1500 Meter über den Gipfel. Zwischen dem 8. und dem 10, Juni gab es 172 Explosionen die noch in 15 Kilometern Entfernung gut zu hören waren. Die Zahl der gemessenen Erschütterungen stieg von 68 auf 18720 pro Tag an. Die Eruptionen setzen sich bis zum 19. Juni fort.

Am 3. November 1994 wurden 30 Menschen von einem kalten Lahar, einer vulkanischen Schlammlawine) getötet, als sie beim Wasserholen im Kokok Jenggak Fluss von ihr überrascht wurden. Die Lawine kam vom Gipfelbereich des Rinjani herunter, richtete im Dorf selbst allerdings keinen Schaden an. Es gab die Warnung dass weitere Lahare durch starke Regenfälle ausgelöst werden könnten. Im September 1995 wurde in einem Luftfahrt-Bericht vor einer unbestätigten Aschewolke des Rinjani gewarnt. Sie driftete nach Südwest und hatte einen Durchmesser von 4 Kilometern.

Während der letzten Monate des Jahres 2004 stieg die Zahl der Erdbeben und kleineren Eruptionen des Baru Jari an. Ende September 2004 wurden mehrere Erdbeben mit Amplituden zwischen 12 und 13,5 mm gemessen, mit einer Dauer von 94 bis 290 Sekunden. Am 1. Oktober 2004 brach der Barujari aus, sein Status wurde auf Level VEI 3 gehoben, auch wenn zu diesem Zeitpunkt noch unklar war, wie stark der Ausbruch tatsächlich gewesen ist. Vom 2. bis 5. Oktober gab es weitere laute Eruptionen mit dichten grauen Aschewolken die auf bis zu 800 Meter über den Gipfel stiegen. Die Eruptionen erfolgten in Abständen von 5 bis 160 Minuten. Zudem wurden Gesteinsbrocken herausgeschleudert, die in der Umgebung einigen Schaden anrichteten. Evakuierungen wurden allerdings nicht durchgeführt.

Zwischen dem 27. April 2009 und Anfang Mai 2009 zeigte der Barujari Aktivitäten in Form von Rauch- und Aschewolken die bis auf 8000 Meter Höhe stiegen, auch Lavaströme ergossen sich in den Kratersee. Am 2. Mai 2009 wurde die Gefährlichkeit des Rinjani von Normal (VEI 1) auf VEI 2 heraufgesetzt. Im Mai 2010 kam seitens des Center for Volcanology & Geological Hazard Mitigation, Indonesia die Empfehlung sich im Umkreis von 4 Kilometern um den Baru Jari nicht aufzuhalten.

Im Februar 2010 beobachtete man zunächst eine weiße Dampfwolke, die etwa 100 Meter aus dem Vulkan stieg. Im März und April 2010 folgten zahlreiche weitere weiße und auch bräunliche Wolken. In dieser Zeit verringerte sich zwar die Anzahl der seismischen Aktivitäten, die Beben wurden allerdings stärker. Am 1. und 2. Mai waren die Wolken braun gefärbt und stiegen schon auf 1600 Meter Höhe. Es gab zudem auch bereits Ascheeruptionen und sogar Brocken glühender Lava wurden gesichtet. Zudem gab es Erdbeben mit Amplituden von 6-53 mm. Am 22. Mai 2010 brach der Barujari drei mal hintereinander aus, was sich bis zum Morgen des 23. hinzog. Nach Angaben der offiziellen Beobachter stieg die Aschewolke zwei Kilometer hoch und breitete sich über 12 Kilometer weit aus. Lava ergoss sich in den Kratersee und ließ seine Temperatur von 21 auf 35 °C steigen, es kamen aber keine Menschen zu Schaden.

Die Chemie des Rinjani

Die Laven des Rinjanis weisen ein großes chemisches Spektrum auf, es wurden Basalte, Andesite und Dacite gefunden. Das Vorhandensein verschiedener Lava-Arten hat seinen Grund vermutlich in der sog. fraktionalen Kristallistations-Differentiation. Dabei kristallisiert eine flüssige Gesteinsschmelze nicht einfach in ihrer bestehenden Zusammensetzung aus. Vielmehr bilden sich während der Kristallisation verschieden zusammengesetzte Lavamischungen die nebeneinander aushärten.

Zurück zur Übersicht Lombok