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Ölpreis-Entwicklung – Indonesien möchte Ölförderung nicht limitieren

Ölpreis-Entwicklung – Indonesien möchte Ölförderung nicht limitieren

Ölpreis-Entwicklung – Indonesien möchte Ölförderung nicht limitieren – © corlaffra / Shutterstock

Öl ist ein Rohstoff, ohne den unsere Zivilisation stillstehen würde. Deshalb dreht sich täglich alles um das schwarze Gold, wie Öl noch genannt wird. Seit dem Preisverfall sorgen sich Förderländer um ihre Zukunft. Schätzungen des Internationalen Währungsfonds zufolge kostete der Ölmachtkampf die Volkswirtschaften im Nahen Osten 350 Milliarden Euro im Jahr 2015, nachdem der Rohölpreis von 115 Dollar je Barrel Mitte 2014 auf 30 Dollar Anfang 2015 sank. Heute hat sich der Ölpreis auf 40 Dollar erholt.

Indonesien gehört gemeinsam mit Malaysia und Chile zu den Ländern, die ihre Abhängigkeit von Energierohstoffen reduzieren konnten. In Indonesien ist man mit einem Preis von 45 Dollar je Barrel zufrieden, wie Widhyawan Prawiraatmadja, der Gouverneur des Landes bekannt gab. Er sieht keinen Bedarf, die Produktion zu deckeln. Optimal wäre laut Prawiraatmadja ein Barrelpreis von 50 bis 60 Dollar.

Indonesien ist OPEC beigetreten

Der größte Inselstaat der Welt Indonesien beheimatet rund 256 Millionen Einwohner. Damit ist Indonesien halb so groß wie die gesamte Europäische Union und der viertgrößte Staat der Welt gemessen an der Bevölkerungsanzahl. Für eine solch große Nation ist es problematisch, wenn es fast doppelt so viel Erdöl verbraucht, wie exportiert wird.

Die Organisation OPEC hat nach einer siebenjährigen Pause ein neues Land in seinen Rang aufgenommen: Indonesien. Mit seinem hohen Verbrauch freut sich der Inselstaat über niedrige Preise. Experten zufolge sei die Aufnahme von Indonesien ein Zeichen dafür, dass OPEC aufgegeben hat, Preise durch Fördermengen zu stabilisieren. Laut dem Energieanalysten Seth Kleinmann hätte das Öl-Kartell seit 2008 keine großen Markteingriffe beschlossen. Als 2014 der Ölpreis im Sinkflug stürzte, entschied OPEC, mehr Öl zu fördern. Damit wurden Wettbewerber aus dem Markt gedrängt.

Indonesien war bis Ende 2008 bereits Mitglied der OPEC. Seit der Jahrtausendwende hat sich in dem Land viel getan. Früher war Indonesien ein Netto-Exporteur. Heute wird Öl überwiegend importiert. Ein Austritt aus der Organisation war damals die logische Konsequenz. Der erneute Beitritt hat einen Grund: Indonesien möchte sich langfristige Verträge zum Angebot von Erdöl sichern.

Die Rolle Indonesiens in der OPEC

Indonesien genießt in der Organisation eine Sonderrolle. Das Land war schon immer ein Beobachter, welcher abwartete, welche Aktionen seine Partner ausführt. Erst dann wurde beschlossen, wie zu handeln ist. Früher schloss sich der Inselstaat der OPEC-Preispolitik an, wenn die Ölpolitik passte. In allen anderen Fällen ging Indonesien seinen eigenen Weg.

Die Jahrtausendwende brachte viele Veränderungen mit sich. Seit Ende 2004 importiert Indonesien mehr Öl, als es exportiert. Durch die schwache Produktion folgte ein Austritt. Ende 2015 trat Indonesien der OPC als 13. Mitglied erneut bei – und das, obwohl das Land nur 850.000 Barrels pro Tag produziert. Alle anderen Mitglieder produzieren gemeinsam 30 Millionen Barrels, also etwa 2,5 Millionen pro Mitglied oder mehr als dreimal so viel wie der Inselstaat.

Experten zufolge könnte der Beitritt Indonesiens ein strategischer Schritt sein. Weil Indonesien vergleichsweise wenig Öl produziert, könnte die OPEC die Obergrenze zur Ölförderung erhöhen. Mitte April tragen sich in Katars Hauptstadt Doha die Vertreter verschiedener Förderländer. Russland und Saudi-Arabien wollten eine Deckelung auf dem Niveau des Monats Januar durchsetzen. Laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung kam es nicht zu einer Einigung. Ein erneutes Zusammenkommen im Juni soll die Situation klären.

Ölförderung ist in Indonesien vielerorts Handarbeit

ZEIT ONLINE berichtete 2014 über die Ölförderung in der Region Bojonegoro, wo die Arbeiter mit simplen Mitteln das schwarze Gold ans Tageslicht holen. Das Dorf Wonocolo in Bojonegoro beschreibt Reuters als eine Art indonesisches Texas. Schätzungen zufolge liegen hier 350 Millionen Barrels, die (ausgehend von einem Preis von 45 Dollar) 15.750 Milliarden Dollar Wert sind.

Die Region Bojonegoro ist die Viertärmste in Ost-Java. Das Einkommen der Region hängt von der ländlichen Produktion von Reis, Tabak und Mais ab. Der Zuständige für die Region möchte in erster Linie in Agrikultur investieren, weil sie lokalen Einwohner eine bezahlbare Arbeit bringt.

Die Bilder von ZEIT ONLINE zeigen, wie schwer es ist, Öl manuell zu fördern. Von den Großanlagen in Texas können die Menschen in Bojonegoro nur träumen. Das Rohöl wird mit Eimern aufgesammelt und in Kanister abgefüllt. Arbeiter tragen die Kanister auf ihren Schultern ins Dorf Wonocolo. Dort wird es raffiniert.

Zusammenfassung

Indonesien hat sich von einem Öl-Exporteur zu einem Importeur des schwarzen Goldes entwickelt. Durch den OPEC-Beitritt möchte das Land nun günstig an Öl herankommen, um sich seinen Konsum finanzieren zu können.

Artikelbild: © corlaffra / Shutterstock

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