Religion auf Bali

Die Religion auf Bali ist vermutlich eine der interessantesten der Welt. Nicht nur weil Bali obwohl es zum muslimischen Indonesien gehört größtenteils Hinduistisch ist, sondern weil der balinesische Hinduismus an sich sehr vielfältig ist.

Der Pura Ulun Danu Bratan, Zentralbali

Der Tempel Pura Ulun Danu Bratan liegt malerisch mitten im Bratan See in Zentralbali

Dennoch leben auf Bali einige Gruppen, die dem orthodoxen Islam angehören. Daneben finden sich vereinzelt Buddhisten die sich vorwiegend im 20. Jahrhundert auf Bali niederließen und sogar einige Christen die ebenfalls im frühen 20. Jahrhundert von Missionaren bekehrt wurden.

Der Hinduismus ist hier kein reiner Hinduismus, vielmehr ist er durchdrungen vom früheren animistischen Glauben der Insel. Eine Vielzahl von alten Land- und Bergkulten, der Sinn für das Übernatürliche und die Verehrung von Naturgottheiten zeugen davon.

Die Ansicht, dass die sichtbare materielle Welt stets von einer unsichtbaren, geistigen Welt durchdrungen ist, ist auf Bali allgegenwärtig. Die unsichtbare Welt wird in einer Vielzahl von Symbolen dargestellt und die Ahnen werden inbrünstig verehrt. Geht man doch davon aus, dass diese die Geschicke der Lebenden beeinflussen können.

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Felsen, Bäume und andere Orte werden als Sitz von Geistwesen oder Göttern angesehen. Oft findet man an solchen Orten kleine Schreine oder Tempel um den Geistern gebührend opfern zu können. Das ist wichtig um beispielsweise für gutes Wetter oder eine gute Ernte zu bitten.

Brahma Vihara Ashrama, Bali

Der Brahma Vihara Ashrama ist ein buddhistischer Tempel und wird manchmal auch klein Borobodur genannt

Ein prominentes Beispiel dafür ist die Reisgöttin Dewi Sri, die am Rande der Felder, in den Kornkammern und vor jedem Essen Zuhause verehrt wird. Von jedem Essen, wird gleich nach dem Kochen ein kleiner Teil als Opfer für sie abgezweigt. Das stellt sicher, dass auch die nächsten Ernten wieder gut ausfallen.

Viele der balinesischen Zeremonien und Feste dienen nur dazu, bestimmte Götter milde zu stimmen und böse Geister fernzuhalten. Die Hinduistischen Balinesen leben eine auf den ersten Blick vollkommen undurchschaubare religiöse Vielfalt. Für westlich orientierte Menschen ist das vor allem deshalb schwierig, weil es auf den ersten Blick keinerlei feste Doktrin, keinerlei festes Regelwerk gibt, nach dem sich die Menschen richten. Balinesen lassen sich einfach nicht auf die Schnelle in eine Schublade stecken.

Kaum hat man einen Teil davon verstanden, eröffnen sich schon wieder derart viele neue Aspekte, dass man wieder von vorne anfängt. Dabei ist es gar nicht so schwierig das Grundkonzept dahinter zu verstehen, wenn man die typisch westliche Denkweise des „entweder oder“ durch das asiatische Konzept von „sowohl als auch“ ersetzt.

Bali Aga Dorf Tenganan, Bali

Die Bali Aga leben in einigen ihrer Dörfer noch weitgehend so wie zu vorhinduistischer Zeit

Denn man muss in Bali Natur- und Ahnenverehrung, ein dualistisches Weltbild, den Mahayana-Buddhismus, den orthodoxen Sivaismus, dämonische Praktiken und den javanischen Hinduismus aus dem alten Majapahit Reich unter einen Hut bringen um das zu verstehen was bis Heute daraus entstanden ist.

Und daraus ist nicht etwa ein einheitliches Konzept geworden, sondern ein überaus facettenreiches religiöses und spirituelles Leben, das sich von Region zu Region auch noch unterscheidet. Das fängt schon damit an, welche übergreifende Macht anerkannt oder nicht anerkannt wird. Für die einen ist es Siwa, für die anderen eine Kombination aus vielen Naturgöttern für wieder andere das monotheistische Konzept des Sang Hyang Widhi, Sang Hyang Tunggal oder Cintya.

Auch die Praxis der Religion auf Bali ist eine andere als wir sie beispielsweise vom Christentum kennen. Es geht nicht so sehr darum, zu festgelegten Zeiten einem bestimmten Gott zu huldigen. Vielmehr ist die balinesische Religion ein Konzept um sich als Mensch korrekt im kosmischen Zusammenspiel zu platzieren. Das Leben auf Bali findet im Einklang mit dem Kosmos statt, man strebt danach zur richtigen Zeit das richtige zu tun und das falsche möglichst zu lassen. Das schließt zeitliche und räumliche Aspekte ein. Die Welt liegt zwischen zwei Polen, von denen gute und schlechte Dinge ausgehen können.

Auf der einen Seite die Sonne und die Berge, allen voran der Gunung Agung, von denen Leben ausgeht. Die Sonne spendet Licht und Wärme, die Berge spenden frisches Wasser. Auf der anderen Seite das Meer über das Gefahren und Krankheiten kommen und das der Sitz der Dämonen ist.

Möchte man sein Leben unbeschadet überstehen, kommt es darauf an, sich zwischen diesen Polen bestmöglich zu platzieren. Das sieht man schon an den Gebäuden und speziell an den Tempeln Balis. Sie sind immer in der Achse Berg – Meer ausgerichtet. Eine weitere Achse ist Ost – West, also aufsteigende und sinkende Sonne. Bringt man die beiden Achsen mit dem Mittelpunkt Gunung Agung zusammen, so ergibt sich ein Koordinatensystem nach dem sich das ganze Leben auf der Insel räumlich ausrichten lässt.

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