Chinesischer Friedhof Bintaro

Der chinesische Friedhof in Ampenan, Lombok, Indonesien

Einige der Gräber des chinesischen Friedhofs in Ampenan.

In Ampenan befindet sich neben einem chinesischen Tempel auch ein chinesischer Friedhof, denn es existiert eine recht große chinesische Gemeinde auf Lombok. Er liegt gleich an der Küstenstraße die von Senggigi bzw. Meninting nach Ampenan hinein führt, ist also kaum zu verfehlen. Das Areal ist auch deshalb nicht zu übersehen, weil die Gräber teilweise sehr groß, in leuchtenden Farben ausgeschmückt und wunderschön verziert sind. Man wandelt wie durch einen Park mit sanften Hügeln und elegant geschwungenen Fußwegen und entdeckt praktisch bei jedem Schritt wieder etwas Neues und Aufregendes. Einige der Gräber sind von den für den Daoismus üblichen Wächterfiguren flankiert und einige der älteren Gräber weisen noch eine holländische Beschriftung aus der Kolonialzeit auf.

Selten bekommt man ausserhalb Chinas einen derart intimen Einblick in die chinesische Kultur und Lebensweise. Da der Friedhof nach wie vor genutzt wird, sind aufwändige Beerdigungszeremonien nicht selten. Diese dürfen natürlich beobachtet werden, respektvoller Abstand ist aber angebracht. Die Angehörigen beten wie auch in Europa üblich neben dem Sarg, verabschieden sich im Stillen von den Verstorbenen und legen Blumen nieder. Dazu werden Räucherwaren verbrannt und auch Geldscheine, echte Scheine sowie spezielles Toten- oder Geistergeld. Gerüchten zufolge lassen reiche Chinesen oft einen Teil ihres Besitzes mit beerdigen. Darunter sollen neben Kunstgegenständen und Schmuck zuweilen sogar ganze Motorräder sein.

Einige der Gräber sind zwar klein und schmucklos, die meisten allerdings groß, extravagant und pompös ausgeschmückt. Das liegt am Reichtum der chinesischen Gemeinde in Indonesien, deren erfolgreichste Mitglieder natürlich Wert auf eine ihrem Stand angemessen Grabstätte legen. Übrigens gibt es auf dem chinesischen Friedhof auch christliche Grabstätten und muslimische Gräber befinden sich gleich daneben. Die verschiedenen Glaubensrichtungen kommen dort offenbar sehr gut miteinander aus.

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Anreise zum Friedhof:

Der chinesische Friedhof Bintaro liegt auf der Insel Lombok in der Stadt Ampenan, gleich neben Mataram. Man findet ihn an der Küstenstraße wenn man von Senggigi bzw. Meninting kommend nach Ampenan hineinfährt auf der rechten Seite gleich nach der Brücke über den Krokodilfluss. Parkplätze gibt es direkt davor.

Koordinaten: Süd 8°33’21.99 Ost 116°04’24.13

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Chinesische Grabstätten

Die Art, der Zeitpunkt und der Ort der Bestattung hat in der chinesischen Kultur eine sehr große Bedeutung. Anders als in anderen Kulturen sind die Verstorbenen nach dem Tode nicht einfach verschwunden oder halten sich in einem entfernten Paradies auf, sondern sie können aktiv das Leben und das Schicksal ihrer Nachkommen beeinflussen. So wird darauf geachtet, dass der Verstorbene zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort begraben wird. Was auch der Hauptgrund dafür ist, dass es traditionell kaum Feuerbestattungen gibt, denn damit würden diese Bemühungen obsolet. Den korrekten Zeitpunkt berechnen Spezialisten ihres Faches mit Methoden wie Qimen Dunjia, Bazi Suanming, Xuan Kong Da Gua und anderen. Dabei richtet sich diese Berechnung nicht einfach nach dem Kalender, sondern es spielen auch Geburts- und Sterbedaten sowie die gesellschaftliche Stellung des Verstorbenen eine Rolle.

Für die Wahl und Gestaltung der Grabstelle kam und kommt immer noch Feng Shui zum Einsatz. Wobei dieses Feng Shui nicht zu verwechseln ist mit der esoterischen und teils abstrusen Einrichtungslehre wie sie in der westlichen Welt bekannt ist. Vielmehr kommt dabei das sog. Yin Feng Shui zum Einsatz, mit Methoden die für die Platzierung Verstorbener entwickelt wurden. Geschichtlich gesehen sind diese Methoden deutlich älter als die heute praktizierte Raumpsychologie Feng Shui für die lebenden Menschen. Erste Ansätze entstanden bereits in der vor-Qin-Zeit (bis 221 v. Chr.). Aus der Jin-Dynastie (265 bis 420) stammt das einzige noch erhaltene Werk zum Gräber Feng Shui, das Zang Shu, geschrieben von Guo Pu der auch westliche klassische Werke kommentierte. In diesem Buch wurde erstmals der Begriff des Feng Shui eingeführt. Im Laufe der Zeit entwickelten sich die heute noch gebräuchlichen Denkmodelle des Qi (universelle Lebensenergie), von Yin und Yang oder der vier bzw. fünf Tiere. Dieses Konzept wird auf chinesischen Friedhöfen an der Ausgestaltung der Gräber deutlich. Diese weisen oftmals Ähnlichkeiten mit einem Sessel auf, haben also eine „Lehne“ die als Rückendeckung fungiert und zwei „Armlehnen“ die seitlichen Schutz bieten, während der „Ausblick“ nach vorne ungehindert ist. In der sehr bildhaften chinesischen Sprache werden diese Bestandteile mit Bezeichnungen wie Schildkröte, Drache, Tiger und Phönix versehen, deshalb die „vier Tiere“. In der Mitte gibt es zuweilen noch die Schlange, die dann das fünfte Tier wäre.

Dieses Konzept steht, im Zusammenhang mit der korrekten Platzierung in der Umgebung für eine sehr starke Position. Und wenn der Verstorbene in einer starken Position ist, sind das der Tradition zufolge auch seine Nachkommen. Interessanterweise weisen die Grabstätten der Vorfahren berühmter chinesischer Herrscher allesamt ausserordentlich gutes Feng Shui auf, ganz aus der Luft gegriffen scheint das System also nicht zu sein.

Kurioses aus der chinesischen Geschichte

Die Suche nach der perfekten Grabstätte nahm zu gewissen Zeiten gar seltsame Formen an. Menschen die es sich leisten konnten, engagierten einen bekannten Feng Shui Meister und beauftragten ihn mit der Suche nach dem perfekten Grab. Dieses wurde nicht auf einem Friedhof gesucht, sondern zuweilen landesweit. Ein Feng Shui Meister hatte also durchaus die Möglichkeit von so einer Suche ein ganzes Jahr zu leben, denn das Reisen erfolgte damals noch viel langsamer und er musste die Gegenden ja auch noch analysieren. Danach kam er zurück und präsentierte seinem Auftraggeber mögliche Grabstellen. War der Meister geschäftstüchtig, so hatte er vielleicht eine Grabstätte im Angebot, die den Nachkommen seines Auftraggebers eine mittlere Beamtenposition versprach und vielleicht noch eine, die eine höhere in Aussicht stellte.

Aber immer mit der Option vielleicht noch eine bessere zu finden, wenn er noch mal ein Jahr Zeit bekäme. So konnte er noch einmal losziehen und war bestens versorgt, geschäftstüchtige Meister hatten oft mehrere Kunden gleichzeitig und konnten davon gut und dauerhaft leben. Heutzutage lassen sich aber auch hochrangige Persönlichkeiten auf ganz normalen Friedhöfen beerdigen.

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Artikelbild: © Torbenbrinker / CC BY-SA 3.0