Opfer und Opfergaben auf Bali

Wer Bali, die Insel der Götter und Dämonen, bereist, der wird sehr schnell die unzähligen kleinen Schalen sehen, die allenthalben auf dem Fußboden, auf Mauern oder in Schreinen stehen. Es sind meist aus Palmblättern geflochtene kleine Körbchen und enthalten Blumen, Öle, Salz, Geld und oft die Zutaten des Betelbissen.

[info align=“right“]Die Opfergaben:

Reisopfer
Segehan Opfer
Canang Opfer
Gebogan / pajegan Opfer
Babankit Opfer
Tieropfer

[/info]

Auf Bali hat sich nicht nur eine umfangreiche Struktur aus Tempelanlagen, Zeremonien und Feiertagen entwickelt, sondern auch ein sehr ausgeklügeltes System an Verhaltensregeln.

Das spirituelle und religiöse Leben der Balinesen unterliegt grundsätzlich der Dualität aus guten und weniger guten Einflüssen. Es gibt Orte die tendenziell eher gut (suci, ening oder nirmala) sind wie Berge, Quellen und die Sonne. Und es gibt Orte die eher böse (tenget oder angker) sind, wie das Meer beispielsweise.

So versucht man sich auf Bali möglichst so zwischen diesen Ebenen zu platzieren, dass man ohne größere Probleme durchs Leben kommt.

Opfergaben für Zeremonie in Tempel auf Bali

Je bedeutungsvoller ein Fest oder eine Zeremonie ist, desto reichhaltiger fallen die Opfergaben aus

Das zeigt sich eben nicht nur in der räumlichen Ausrichtung der Tempel und Kultplätze, sondern auch im Verhalten der Menschen.

Gegenüber den Göttern, Dämonen, Ahnen und Mitmenschen sind eine ganze Menge Dinge zu beachten.

Aus diesem Grund haben sich auf Bali die Rituale oder Zeremonien entwickelt und natürlich die Notwendigkeit den Mächten hinreichend zu opfern. Wobei opfern auf Bali nicht im Sinne von „ein Opfer bringen“ betrachtet wird sondern eher als „offere“ also Überreichen oder Darbieten. Man bietet den jeweiligen Mächten also etwas an und bekommt dafür einen Gegenleistung. Das beginnt mit einem ganz simplen Reisopfer, nach dem Kochen desselben, auf Bali also nahezu jeden Tag. Ein paar Reiskörner genügen hier schon. Handelt es sich um einen offiziellen Feiertag, berechnet nach dem Wuku-Kalender, sind die Opfergaben meist etwas größer.

Zeremonie mit Opfergaben in Tempel auf Bali

Zeremonien und vor allem Opfergaben sind eine wichtige Säule des balinesischen Glaubenssystems

Zu den großen Tempelfesten türmen sich die Opfergaben, die zu diesem Zweck riesigen Obstkörben gleichen, oft einen halben Meter hoch. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, die Götter lebten weitaus besser als die Menschen.

Im Gegenzug erwarten die Menschen natürlich Schutz und eine reiche Ernte. Die kleineren Opfergaben werden teilweise täglich gebracht, je nachdem wem geopfert werden soll in Schreinen, an bestimmten Stellen im Haus oder für die Dämonen einfach auf dem Fußboden vor der Tür.

Die Menschen die sich von den Göttern etwas erwarten bringen das Opfer entweder selbst dar, oder schicken jemanden der das stellvertretend übernimmt. Das können die Kinder sein, oder bei größeren Gruppen ausgewählte Repräsentanten oder Priester.

Die Opfergaben

Die Grundbestandteile einer Opfergabe auf Bali sind Feuer, Wasser und Blumen. Eine kleine Gruppe von Balinesen erachtet das schon als ausreichend, so lange man die Opfergaben in der richtigen Absicht gibt. Die meisten Menschen auf Bali ergänzen die Bestandteile aber noch um alles was sie aufbringen können, entsprechend ihrer Vermögensverhältnisse. Zudem benötigt an für spezielle Anlässe auch spezielle Zutaten, die die Opfergabe jeweils unverwechselbar machen.

Auch die Bauart des jeweiligen Opfers unterscheidet sich von Fall zu Fall, manchmal werden sogar berufsmäßige Opfergabenhersteller (Tukang Banten) hinzugezogen. Das sind oft unverheiratete Frauen aus der Brahmanenkaste, die sich so ihr eigenes Geld verdienen.

Die Ausgangsmaterialien für eine Opfergabe müssen alle auf ehrlichem Wege beschafft und vorher spirituell gereinigt werden. Nachdem die Götter die Essenz daraus aufgenommen haben, spricht aber nichts dagegen die essbaren Bestandteile in der nächsten Mahlzeit zu verwenden. Man darf die nun essenzlosen Gaben nur nicht noch einmal den Göttern anbieten.

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