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Geburtstag auf Bali

Lange hat es gedauert, bis ein Ereignis der Erwähnung wert eintraf, wäre da nicht der Geburtstag meiner liebsten Freundin Annette, eine ehrwürdige, flippige Dame mit feinstem künstlerischem Gespür für natürliche Objekte, die in ihrem Garten am Meer in beeindruckenden Kompositionen ihren Platz finden. Leider wohnen wir etliche Kilometer voneinander entfernt, gemessen in Fahrzeit ca. 1,5 Stunden, so denn man zügig alle schleichenden Hindernisse auf den Straßen überholt.

Dennoch fand sie ihr „Geburtstagsgeschenk“ nicht weit entfernt unseres Strandes in Form einer Kokospalmwurzel, nicht weniger als 100 Kilo das Stück, doch kein Problem diese nach etlicher Trockenzeit in meinen Jeep zu hieven. Mit Hilfe von Manneskraft, derer vier an der Zahl. Und das Ungetüm über die halbe Insel zu schippern. (Was mich nebenbei bemerken lässt, das ich nie zuvor in meinem Leben mit einer Wurzel derartiger Größe in meinem Auto gefahren bin. Aber bekanntlicherweise passiert alles irgendwann das erste Mal……)

Nun war der große Tag gekommen, an dem sie zuvor schon bei uns übernachtete und wir − jeder separat mit seinem Auto − zu ihrem Domizil fahren wollten, ein Zwischenstop in der Touristenzone zum delikaten Mittagessen um im Anschluss den kurzen Weg durch die Stadt gestärkt zu bewältigen, auf das wir es uns in ihrem Haus gemütlich machen. So der Plan. Guter Plan, soweit!

Kurz vor der Abfahrt schnell noch mit dem unverhofft erscheinenden Bananenkäufer verhandeln, der mir nach Schätzung meine Bananenstauden abkauft. (Derer so viele das ein Orang Utan gut einen Monat davon satt werden könnte). Feilschen braucht Zeit, zumal ja Banane nicht gleich Banane, nach einer halben Stunde und einer Begehung bei gleißender Sonne sind wir uns einig. Nun aber los, denn sonst wird es zu heiß, meine Klimaanlage im Auto streikt und selbst bei offenem Fenster ist es hochsommerlich warm. Auch muss ich mit einrechnen aufgrund meiner Fracht nicht ganz so schnell wie sonst fahren zu können, eingedenk der vielen neuen Schlaglöcher, die nach der Regenzeit die Straßen bevölkern.

Nach gut eineinhalb Stunden also ein aufatmendes Niederlassen in einem uns bekanntem Restaurant direkt am Meer, Stammplatz im ersten Stock, der Aussicht wegen und der sanften Brise, die uns leidlich Kühlung verschafft. Ein Lemonsoda für den ersten Durst, ein feistes Mahl in weiser Voraussicht wenig scharf bestellt. Was trotz aller Gewohnheit an chilireichem Essen alle Erwartungen übertrifft und meine Nasennebenhöhlen einer akuten Reaktion aussetzt. So spart man sich den Besuch beim HNO−Arzt, und ein Loblied auf den Erfinder der Taschentücher. Obwohl doch die − nett verpackt − angebotenen Toilettenrollen in diesem Falle ein größeres Gefühl der Sicherheit bieten als so ein läppisches Tempo.

Ein Hoch dem Koch!

Wir speisen, führen intime Frauengespräche, die auch weiterführen als ein einheimisches Pärchen den Nebentisch belegt. Und ich hatte so ein Gefühl … welches sich in dem Augenblick bestätigt, als der Tischnachbar in fast einwandfreiem Deutsch uns Informationen über das Restaurant und das Essen abverlangt. Nein, es muss mir nicht peinlich sein, zu wissen das der Nachbar einen Teil meines Liebeslebens mitbekommen haben muss − ich wundere mich nur über die Art und Weise der eher seltsam anmutenden Konversation, welche in seiner Frage gipfelt was ich denn arbeiten würde, da er eine Stelle für einen Merchandiser in der Hauptstadt anzubieten hätte.

Die Anfrage ist so schräg, das mir nichts besseres einfällt als zu erwidern, das ich Bananen verkaufe. Wahrlich, das ist nicht mal geschummelt! Nun, die Wunder sind groß und zahlreich auf Bali, warum sollte ich nicht auch einmal einen kleinen Beitrag leisten? Weiter im Takt, die letzte Etappe angehend und schon befinde ich mich inmitten des gewohnten städtischen Schlamassels: Linksverkehr, mit der Möglichkeit von Motorradfahrern rechts und links überholt zu werden. Die Straßen welche ich kenne werden befahren, ansonsten würde ich innerhalb kürzester Zeit hoffnungslos durch die Stadt irren. (Ich bin schon einmal in den Genuss gekommen, ein schonungsloses Desaster für europäische Nervenkostüme).

Zeitgleich fahren wir also ab, zeitgleich erreichen wir die Sperre an der Hauptstraße, deren Umleitung uns in die unübersehbaren Nebenstraßen führt, natürlich ohne weiterführende Beschilderung oder Wegweisung. Logischerweise kennen sich hier alle aus, wozu also Schilder aufstellen. Doch wer denkt an die armen Touristen?!? Selbst wenn diese − wie wir − schon seit Jahren hier leben ist mitunter der Schritt in die totale Konfusion nicht groß. Jedenfalls was eine veränderte Straßenführung betrifft. Heldisch wie wir sind beugen wir uns der Neuerfahrung und stellen uns dem Abenteuer. Etwas anderes bleibt uns auch gar nicht übrig, wollen wir nicht sofort einem trillerpfeifenden Polizisten den üblichen Obolus in die Tasche wirtschaften.

Zeitgleich tasten wir uns durch die Sträßchen, ich falle etwas zurück und treffe einen Augenblick später auf Annette mit Auto, die inmitten eines kleinen Auflaufs der Mittelpunkt zu sein scheint. Natürlich: fast über die Kreuzung streift sie ein Mopedfahrer und es ist Essig mit weiterfahren. Ich halte ebenfalls und das große Staunen beginnt: Anders als bei uns auf dem Lande rücken innerhalb kürzester Zeit ein Bataillon Polizisten an, vermessen, lassen sich diverse Führerscheine und Fahrzeugpapiere aushändigen, die Ambulanz rückt an − obwohl die beiden Mopedfahrerinnen außer dem üblichen Schock keine Verletzungen zu haben scheinen.

Theater ist alles, und die Weißen sind ja eh reich, so das Klischee. Ein Kleinsttransporter fährt vor, lädt das geschundene Moped auf und fährt ab. Keine Unfallopfer mehr zugegen, kein Moped, nur Annettes ramponierter Jeep, wir, die wir etwas verwirrt über die Geschehnisse verloren zwischen den Ordnungshütern herumstehen und wie aus dem Nichts erscheint der Ehemann der einheimischen Fahrkünstlerin. Der Versuch unsereins einem der zahlreichen Polizisten den Unfallhergang erklären zu wollen stößt auf taube Ohren. Es heißt wir müssen mit auf das Präsidium kommen. Na ganz große Klasse!

Eigentlich wäre Kaffee und Geburtstagskuchen angesagt, doch so ernst und amtlich wie die Diensthabenden aussehen, fügen wir uns und fahren mit großem Hallo auf die Hauptwache. Dort angekommen parken wir direkt neben der „Rezeption“, ein Sitzplatz und die verschiedensten Dienstgrade sind um uns. Bevor irgendetwas zu unserm Fall geschieht wird das Präsidium verrammelt, voll ausgerüstete Nahkämpfer mit schwerer Munition und Schilden versammeln sich. Nein, nicht wir sind gemeint, es stellt sich der Grund für die Umleitung heraus: Politische Demonstrationen sind hierzulande mit Vorsicht zu genießen, die lokale Emotionalität kippt leicht, so ist es gut den Porzellanladen vor den Elefanten zu sichern.

Nach einer Stunde ist die Versammlung vorüber, in der Zeit versuche ich verschiedentlich den Grund oder das Motto der Demo zu eruieren, doch niemand vermag mir eine Antwort zu geben. Dann endlich werden wir befragt − nein, nicht nach dem Unfallhergang − nach unseren Adressen, Berufen, wie lange wir schon auf der Insel wohnen, wie es uns gefällt, ob wir das Essen vertragen … Ich gebe es auf mit einem der Polizisten über den Unfall sprechen zu wollen. Derweil erwehre ich mir diverser Angebote verschiedener Ranghöheren welche mir privat Unterricht in Indonesisch erteilen wollen. Nein, nicht empört darauf reagieren, milde freundlich Lächeln und den Anfragen geschickt ausweichen. Ist ja auch nett gemeint.

Einer der netten Polizisten verlangt nach unseren Autoschlüsseln um die Jeeps versetzen zu dürfen, da die Parkzone auf der Straße sei. Gut, kein Problem, ich bin gespannt was er dazu sagt wenn er in einem Weißnasenauto eine riesige Kokospalmwurzel bemerkt. So eben nach dem Motto: die spinnen, die Europas! Vor allem male ich mir sein Gesicht aus, sollte er denn fragen was ich denn damit vor hätte. Die einzig wahre Antwort wäre: Geburtstagsgeschenk, klar! Ha, ich freue mich diebisch auf diese kleine Konversation − und warte noch heute auf die mir so unvermeidlich erscheinende Frage! Was für eine Enttäuschung!! Und ich muss einmal mehr sehen, wie ich hier mit meinem „westlichen“ Kopf auf Grenzen stoße. Denn in einem Land, in dem es Gang und Gäbe ist Alles, wirklich alles Mögliche auf Mopeds zu transportieren, wundert es keinen wenn eine Baumwurzel ein halbes Auto füllt!

Wenn ein Balinese zwei Ziegen um den Bauch gebunden herum kutschiert, dann kann auch ein Baumstumpf in einem Auto liegen, oder? So, schade, nur die Vorstellung der Reaktion auf eine derartige Aktion in Deutschland hilft mir meine Laune wieder verbessern. (Doch auch das erweist sich nach längerer Interpretation als nicht lustig, denn wo würde ich dort wohl enden?) Es trifft nebenbei die Kunde ein, das die beiden Unfallopfer unversehrt das Krankenhaus verlassen haben und gut zu Hause angekommen sind. Auch schön, ich beglückwünsche lautstark und kann es mir nicht verkneifen zu erwähnen das ich mir dessen sicher war…nun, ich bin auch nur ein Mensch.

Der Ehemann erscheint, dann wird in einem fast zerfleddertem Schreibheft ein „Friedensvertrag“ aufgesetzt und beide Seiten, Auto und Mopedfahrer in Vertretung, unterschreiben vor den wachsamen Augen eines Offiziers. „Hier Ihre Schlüssel, die Damen können nun nach Hause gehen!“ sprach`s, und sieht sich zweier verblüffter Weißnasen gegenüber. Als wandelnde Fragezeichen ob der ganzen Aktion, des Hergangs und über 3 Stunden Wartezeit verlassen wir das Departement. Nur heim zum verdienten Kaffee, schnell noch ins Meer und dann in die Hängematte. Ein absoluter Genuss. Ich hätte nicht gedacht das Warten so erschöpft! Fix und fertig sind wir, ehrlich!

Text:

Susanne Guckenberger Bali Oase Resort


Man sollte ja bekanntlicherweise vermeiden, sich in Annahmen zu ergehen, doch kommen wir nicht umhin die vorherigen Ereignisse zu bereden und zu kommentieren. Eine derart abstruse Situation ruft einen Lachanfall nach dem anderen hervor.

Mal ehrlich, ist es Ihnen schon einmal passiert, das der Obermotz in der Polizeistation den von einem Untermotz besorgten Wasserhahn auspackt, sich diesen auf Schniedelhöhe hält und die Möglichkeit zum Händewaschen anbietet? Und würden Sie dann auf einen flexiblen Schlauch bestehen, denn damit könnte man wenigstens etwas „schreiben“? Nicht? Na, dann kommen Sie doch mal vorbei, dann haben Sie mit Sicherheit auch etwas zu Lachen!! Und Geburtstag feiern können wir ebenfalls.

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