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Bali, die Insel der Götter

In einem sind sie sich alle Einig: eine Vielzahl von Göttern bewohnt die Insel, beschützen sie und sind den Bewohnern nahe. Der Glaube von über 90% der Einwohner auf Bali beruht auf dem Hinduismus, was als eine Ausnahme in einem muslimisch regiertem Staat gilt. Die gelebte Religion ist dem indischen Hinduismus gleich, hat jedoch über die Jahrhunderte in manchen Bereichen eine Art Eigendynamik entwickelt.

Die Trinität der obersten Götter Brahma, Vishnu und Shiva liegt dem Glauben zugrunde, daneben werden unzählige Götter und Göttinnen verehrt. Wo Götter da auch Dämonen, welche als Gegenspieler der Ersteren gesehen werden und denen durch entsprechende Vorkehrungen und Gebete Einhalt geboten wird. Die Weltsicht der balinesischen Hindus stützt sich auf die Lehre der Reinkarnation, die Art der Wiedergeburt bestimmt „gutes“ resp. „schlechtes“ Karma, welches während des Lebens angesammelt wird.

Auch auf Bali besteht die Zuteilung der Nativen in Kasten, die jedoch im Gegensatz zu Indien nicht als relevant empfunden werden und welche durch Heirat ineinander übergreifen können und somit kein Hindernis für eine Partnerschaft darstellen. Auf die tiefgründige traditionelle Lebensweise der Menschen scheint der Einzug des Modernen mit all seinen Errungenschaften kaum Auswirkung zu haben. Überall kann man rituell bekleidete Männer und Frauen bei zeremoniellen Handlungen beobachten, sei es an einer viel befahrenen, von Werbung umsäumten Straßenkreuzung in der Hauptstadt, in abgelegenen Reisfeldern, neben einer lärmenden Diskothek oder auf dem Weg zu einer privaten Festlichkeit.

Mühelos verbindet sich religiöse Lebensweise mit zeitgemäßen Neuerungen, die Toleranz und Offenheit der hinduistischen Haltung macht es möglich ohne sich selbst dabei untreu zu werden! Äußerlich ist dies an der Vielzahl der Tempel zu sehen, doch für die hinduistischen Balinesen sind die zu vollziehenden Rituale wichtiger Bestandteil des eigenen Lebens.

Die Tempel

Auf der gesamten Insel sind über 13 000 offizielle Tempel bekannt, zu denen die großen Tempel der höchstgestellten Götter, vielzählige Tempel untergeordneter Gottheiten und die Dorftempel zählen. Unbekannt ist, auf welche Zahl die privaten Haus− und Hoftempel kommen, ungezählt die der Reisfelder, heiligen Bäume, der Landparzellen, diversen Straßenkreuzungen und Läden.

Grundsätzlich hat jedes Dorf auf Bali drei Tempel:

Pura Desa, den öffentlichen Dorftempel, in dem die Hauptzeremonien abgehalten werden und in dessen Nähe sich die „Bale Agung“, die Dorfhalle befindet. Besteht ein alter Schrein aus früherer Zeit der Dorfgemeinschaft, so ist dieser, der Pura Puseh, der Nabel, welcher den Dorftempel darstellt.

Pura Dalem, dem Tod gewidmet, welcher in Nähe des Verbrennungsplatzes errichtet ist.

Pura Segara, der Seetempel, welcher in Richtung des nahe liegenden Ozeans zeigt.

Diese Tempel sind nur für Mitglieder im jeweiligen Dorf zugänglich, in dem sie leben, alle anderen Tempel haben diese Beschränkung nicht.

Der Haustempel

Der wichtigste Tempel im privaten Umfeld ist der Haus− und Hoftempel, der immer in der Nähe des Wohnhauses steht und der bei allen großen Zeremonien, welche die Familie betreffen, begangen wird. Daneben werden in diesem bis zu dreimal täglich die Götter angebetet und kleine Opfergaben abgelegt, um Gesundheit, Wohlstand und häuslichen Frieden zu erbitten.

Wie fast alle Aktionen der Hindus auf Bali richtet sich auch der Tempelbau nach dem balinesischen Kalender. Daraus wird der rechte Tag für die Grundsteinlegung ersehen, für das Setzen der Ornamente sowie die Einrichtung der Schreine. Die Einweihung des Tempels ist ebenfalls von einem dafür geeigneten Tag im Kalender abhängig, ist dieser gefunden, beginnen die Vorbereitungen: Der Priester und das Gamelanorchester wird bestellt, Essen und Getränke für ca. 100 Freunde und Bekannte wird vorbereitet, der Hof bestuhlt und mit Flechtwerken dekoriert, es ist eine Unmenge zu tun!

Die Weihe selbst zieht sich über viele Stunden, in denen die engsten Familienmitglieder, deren Zahl sich nicht selten auf 20 − 30 Leute beläuft, immer wieder unter Anleitung des Priesters verschiedene Gebete zelebrieren. Durch diese Gebete und Weihungen werden Götter eingeladen, sich in diesem Tempel nieder zu lassen, diesen zu bewohnen um Haus, Hof und Familie unter ihren Schutz zu nehmen. Der Tag der Einweihung ist gleichbedeutend mit dem Geburtstag des Tempels, welcher im folgenden jedes Jahr gefeiert wird.

Der Kris−Tanz

Zur Erstweihe des Haustempels wird meist ein besonderer Tanz, der Kris−Tanz, zelebriert, welcher spät am Abend nur von einigen der Hausbewohner getanzt wird. Dazu wird ein spezieller Dolch gebraucht, der Kris, welcher von einem Gott bewohnt ist und für diesen Tanz vom Priester zur Verfügung gestellt wird.

Es bereiten sich einige der Hausbewohner auf den Tanz vor, indem sie angeregt durch aufpeitschende Musik des Gamelanorchesters und die schrillen Schreie der Umstehenden in Trance fallen. Die Anwärter dürfen keinerlei Bindungen in Form von Halsketten, Armbändern oder Haargummis tragen. Der Gott des Dolches geht zwischen den Menschen umher um in einen von den in Trance befindlichen einzudringen. Ist das geschehen erfolgt die „Zwiesprache“, die getanzt wird: Die jeweilige Person, meist sind es Frauen, die vom Gott besucht wird bekommt sofort den Kris übergeben, die Musik wird noch lauter, aufpeitschender, schneller.

Die Auserwählte wird in die Mitte des Kreises der Umstehenden dirigiert, die ihrerseits helfen die Trance durch gellende Schreie einer bestimmten Art und Tonlage aufrecht zu erhalten, die unsereins durch Mark und Bein fahren. Sobald die Tänzerin den Dolch in Händen hat, setzt sie ihn mit der Spitze im Nabelbereich an und beschreibt, den Kris mit beiden Händen am Schaft haltend, große Kreise.

Es entsteht der Eindruck dass die sich in Trance befindende Tänzerin den Dolch in den eigenen Bauch bohrt, man sieht die angespannten Armmuskeln, den festen Griff um den scharfen Dolch, dennoch findet keinerlei Verletzung statt! Symbolisch dringt der den Kris bewohnende Geist so in den Körper des Tänzers um mit ihm zu kommunizieren. Solange in stehender, leicht nach vorne gebückter Haltung getanzt wird sorgen die Umstehenden dafür dass die Tänzerin den Kreis nicht verlässt und achten darauf, dass die sich mittlerweile in Trance befindenden diesen nicht betreten, um den Tanz nicht zu unterbrechen.

Oft werden die Personen, welche sich schon in Trance befinden und auf den Tanz warten, mit langen Tüchern gehalten, welche vom rechten zum linken Arm über den Rücken geschlungen werden. Der Tanz ist beendet wenn die Tänzerin in die Knie sinkt und den Dolch verliert, wobei von den Helfern sorgsam darauf geachtet wird dass dieser nicht den Boden berührt. Die Tänzerin wird aus dem Kreis getragen und auf Matten gelegt um langsam aus der Trance zu kommen und sich von der Anstrengung zu erholen. Der Kris wird sofort an die nächste Person übergeben. Die Dauer des Tanzes wird vom Gott bestimmt, die Art der Zwiesprache kann sehr unterschiedlich sein: Bei manchen führt sie zur Lösung eines großen Problems, andere bekommen eine neue Einsicht, die Kraft des jeweiligen Gottes geht auf sie über, ein Eid wird im Angesicht des Gottes geleistet oder der Gott an sich will den Menschen ähnlich sein, indem er sie für die Dauer des Tanzes bewohnt.

Oft bleibt es bei drei oder vier Tänzern, wobei es vorkommt dass die Großmutter, die Mutter und manchmal deren jüngste Tochter in den Kreis treten. Seltener tanzen auch Männer.

In manchen Regionen Balis wird der Kris−Tanz nur zur ersten Tempeleinweihung zelebriert, in anderen wird er auch zu jedem Geburtstag des Haustempels getanzt. Insgesamt entsteht der Eindruck eines wilden, ursprünglichen, ekstatischen Rituals, sehr fremd für europäische Verhältnisse, doch nicht minder faszinierend. Dieser Tanz nimmt eine besondere Stellung ein, da er nur bei privaten Familienfeiern getanzt und bis heute (noch) nicht kommerziell dargestellt wird.

Autorin: Susanne Guckenberger von Bali Oase Resort

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